Abbruch, Woche 12

Jetzt ist es so weit, ich lasse es sein. Immer schwieriger ist es geworden, Länder zu finden, die noch offen sind. Weiter Richtung Süden war die Idee, aber der Balkan mach gerade wieder zu. Bzw. die Bundesregierung warnt vor der Reise dorthin und macht damit alle Versicherungen ungültig. Außerdem, in diese Gegenden kann ich auch immer in einem normalen Urlaub, kein Grund jetzt die Ersparnisse auf den Kopf zu hauen, die waren für die Umrundung gedacht.
Aber jetzt erstmal:

Montag, 24.08.20, Tag 81

Raus aus Vilnius, Richtung Polen. Ein wenig TET will ich doch noch hier in Litauen machen. Über größere Straßen geht es zum Treck und dann wieder auf kleinen Straßen weiter.
Irgendwo komme ich an eine Stelle, an der ich sage: hier fahre ich nicht weiter!
Der Trail geht aber eindeutig da durch, kann da stimmen? Ich hole das Handy raus und schaue da auf die Daten. Der Trail ist ganz wo anders. Aktualisiert im Juli, lange nachdem ich die Daten auf das Navi gezogen habe. Schnell mal die Speicherkarten hin und her wechseln und die neusten Daten sind auch auf dem Navi. Wieder zurück zum Trail und weiter.
Es wird sandig. Und immer sandiger. Und immer tiefer. An einer Steigung bin ich dann zu langsam und bleibe stecken. Das Hinterrad buddelt sich ein, bis zum Kardan. Das heißt arbeit. Erstmal das Gepäck abladen, hoch tragen, da kann ich dann ja gleich wieder aufladen.
Pustekuchen. Vor schaffe ich es nicht, immer wenn ich höher die Steigung hoch will buddel ich mich ein. Also dann doch runter, am Waldrand gibt es eine feste Stelle zum Abstellen. Das Gepäck runtertragen und dann erstmal Pause machen. Zwei Stunden bin ich hier, bis ich dann weiter, bzw. zurück komme.
Für die Nacht suche ich mir einen Platz an einem Fluss, recht schön ist es hier.

Dienstag, 25.08.20, Tag 82

Heute will ich nach Bialystok, meine neue Matratze soll hier heute ankommen. Also ganz einfach die Adresse ins Navi und los. Naja fast, die erste Route geht durch Weißrussland, da hab ich grade keine Lust drauf.
Am frühen Vormittag bin ich an dem Einkaufscenter, in dem das Postamt liegt wo die Matte ankommen soll. Mal schnell einkaufen und schauen, wo genau das Amt ist. Leicht zu finden, nicht zu übersehen. Sollte klappen.
Einen Campingplatz gibt es in der Gegend, den nehme ich mir. Wobei das so einfach nicht ist. Am Tor ist ein Schild, Camping 500m nach rechts. 500m weiter ein weiteres Tor, ein Schild, Camping 300m nach links. Häh? Ich halte erstmal auf dem Parkplatz gegenüber und schaue mir das an.
Ein Camper fährt vor das Tor, die Beifahrerin steigt aus und macht irgendwas, das Tor geht auf und die beiden fahren weiter. Also schnell nachschauen und genau, es ist eine Klingel da, dann kommt man auch zum Campingplatz. Recht klein, direkt am See, hauptsächlich werden hier Kanus, Kajaks usw. vermietet, ein paar Segelboote liegen auch da.
Ich schaue in die App von UPS, das Paket ist noch nicht ausgeliefert. Nein, man hat es versucht! Die Adresse existiert nicht! Man hat versucht mich auf verschiedensten Wegen zu kontaktieren! So ein Unfug…
Also mal wieder mit Hotlines telefonieren. Warum sollte UPS in Polen auch besser sein als DHL in Schweden? Kein Problem, das Paket wird im nächsten „Access Point“ abgegeben, Adresse steht dann gleich in der App. Morgen früh kann ich es abholen.

Mittwoch, 26.08.20, Tag 83

In der Nacht plötzlich Blaulicht und Lärm, was ist den hier los? Man sucht wohl jemanden, aber das ist keine Erklärung, warum das Blaulicht neben meinem Zelt an sein muss… Aber dann bin ich ja eh wach und kann die Matte mal wieder aufpumpen.
Morgens geht es langsam los, alles ist nass. Mal wieder.
Gegen 11 bin ich beim „Access Point“ um mein Paket einzusammeln. Aber es ist noch nicht da. UPS kommt wieder gegen 15 Uhr, dann ist es bestimmt dabei.
Zeit totschlagen also, und das Wetter wird immer schlechter. Eine SMS bekommen ich, Sturmwarnung. Warum bekomme ich den so was? Mal schnell googeln, in Polen ist das so. Super Service.
Als ich um 15 Uhr wieder beim Access Point bin geht auch gerade der Regen los, eigentlich wollte ich heute noch ein paar Kilometer machen. Aber da ich mein Paket eh nicht bekomme… Morgen um 9 kann ich es abholen, die Nummer ist schon angekündigt!
Das nächste Hotel dran ist damit für die Nacht gesucht. Und das Hotel ist brand neu, gerade seit 2 Woche auf. Toll!

Donnerstag, 27.08.20, Tag 84

Kurz vor 9 bin ich wieder am Access Point, ich lasse das Navi schon mal rechnen. Nach Rheinberg, keine Autobahnen und keine Mautstraßen. Nach 10 Minuten die Meldung: Route zu lang, wird aktualisiert wenn Sie sich dem Ziel nähern. Die Meldung kannte ich noch nicht. Und dafür 10 Minuten gerechnet…
Warum den Rheinberg? Ich habe beschlossen wieder zurück nach Deutschland zu fahren. Es macht so im Moment keinen Sinn mehr. Das Wetter im Norden wird immer schlechter, im Balkan macht Corvid die Grenzen wieder zu und eigentlich wollte ich ja um die Welt fahren. Baltikum und Skandinavien isst schön, ganz klar, aber dafür muss man nicht jahrelang Sparen und den Job aufgeben. Das gilt für ganz Europa, hab ich ja auch schon zu genüge in früheren Reisen erprobt. Sehr Schade, aber die aktuelle Situation ist nicht freundlich für Reisende. Ach ja, in Rheinberg ist am Samstag Sommerfest vom Club, da tauche ich einfach mal auf.
Aber die Matratze hab ich immer noch nicht. Und die Hotline legt einfach auf. Das gibt es doch nicht! Jetzt ist UPS eindeutig schlechter als DHL! Ich bin sauer, wo ist das nächste Depot von USP? Jetzt frage ich mal persönlich nach, da kann keiner Auflegen. Ein paar Kilometer zum beruhigen, aber man sieht es mir wohl noch an, dass ich sauer bin… Ich bekomme mein Paket, geht doch.
Jetzt aber Richtung Deutschland. Auf der Autobahn geht es schnell voran, immerhin 120 darf man hier fahren. Aber es ist langweilig. Bis auf die Situation mit der Dachbox, die auf der Bahn liegt und ihren Inhalt verteilt hat. Das hätte auch schief gehen können…
Ab der Autobahn ist es langsamer, aber doch auch irgendwie schöner, bis dann der Sturm zurück kommt. Erst kräftiger Regen, dann starker Wind dabei. Mich bläst es fast von der Straße. Eigentlich wollte ich heute ja die neue Matte ausprobieren, aber bei dem Wetter nehm ich mir dann doch lieber wieder ein Hotel. Bei den Preisen geht das auch und im Restaurant esse ich mir ein phantastisches Abendessen.

Freitag, 28.08.20, Tag 85

In einer Mischung aus Autobahn, Bundesstraße und Landstraße geht es immer weiter gen westen, an Berlin vorbei bis an den Harz. Kurz vor Goslar habe ich mir einen Campingplatz ausgeschaut, die Matte testen…

Samstag, 29.08.20, Tag 86

Die Matte hält und ist wieder so gut wie zu beginn. Hoffen wir, das es hält…
Jetzt aber weiter auf Bundesstraße und Landstraße nach Rheinberg, ich komme gut voran, zu gut fast. In Haltern setzte ich mich in eine Eisdiele, ein wenig Zeit verplempern. Geht ja erst um 18 Uhr los heute.
Die Überraschung ist groß als ich um kurz Nach 18 Uhr auf den Hof biege. Wusste ja nur Einer, das ich unterwegs bin. Tut gut alle wieder zu sehen!

Sonntag, 30.08.20, Tag 87

Hinter der Halle hatte ich mein Zelt aufgebaut, 5 Leute sind hier geblieben und haben im Caravan bzw. im Auto gepennt. So kann man dann auch früh anfangen mit dem Aufräumen. Unterstützung kommt dann auch noch und gegen Mittag kann zur Belohnung der Grill wieder angeworfen werden…
Ein paar Kilometer sind es nur noch bis Recklinghausen, hier bleibe ich dann erstmal und sehe zu, wie ich das Leben wieder in normale Bahnen bringe…

3 Gedanken zu „Abbruch, Woche 12“

  1. Toll und schade, aber das war wohl unter den Umständen eine sehr vernünftige Entscheidung. War toll, das auf diese Weise so farbig „mitzuerleben“. Spannend und wirklich lebendig geschrieben. Alle Hochachtung, nur die Wenigsten schaffen es, Ihre Träume anzugehen. Klasse! Und die Welt bleibt ja rund, nur hier denken immer mehr Leute wieder, sie wäre eine Scheibe:) Viele Grüße vom Leander

  2. Hallo, Fabian, es hat super Spaß gemacht, Deinen Weg zu verfolgen, Deine Bilder zu sehen, Deine Träume mitzuerleben….. aber jetzt machst Du alles richtig. Glückwunsch zu der Entscheidung und ganz viel Glück, um den Lebensfaden wieder aufzunehmen. bis bald mal, Brigitte und Wolfgang Hause

  3. Hallo Fabian,
    schade, schade schade….
    alles richtig gemacht, aber wer konnte denn das mit Covid19 ahnen ?
    wo wärest Du heute, wenn es das Virus nicht gegeben hätte ?
    in Kirgisistan, campen unter sternenklaren Nachthimmel ?
    was bleibt ist der Mut, so eine Tour anzugehen und das verdient allen Respekt !
    aber naja, es kann nicht alles im ersten Anlauf klappen, Deinen Traum kannst
    Du immer noch leben….
    Gruß Michael

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