Die kleinen Dinge halten auf. Woche 10 in Lettland

Zehn Wochen schon unterwegs. Nicht schlecht. Jetzt ist aber erstmal Zwangspause. Oder nennen wir es „Urlaub“, klingt besser.

Montag, 10.08.20, Tag 67

Heute ist Riga dran, die zweite der baltischen Hauptstädte. Aber erstmal gibt es Frühstück im Hotel. Das hatte ich schon eine Weile nicht mehr und lohnt sich. Kein Buffet, aber warum auch übermäßige Auswahl wenn mein Geschmack voll getroffen wird?
Frisch gestärkt geht es los, zu Fuß die Stadt erkunden. Auf dem Weg in die alte Stadt komme ich an der Nationalbibliothek vorbei, ein klasse Gebäude das kaum zu übersehen ist. Leider Montags geschlossen. Also über eine der vielen Brücken rüber ins Zentrum und mal sehen.
Viele Kirchen gibt es hier, irgendwie eine Wiederholung. Tallinn und Helsinki hatten das auch schon. Und Montags geschlossen schein hier auch ein wiederkehrendes Thema zu sein. Aber von außen sind die Kirchen und Häuser auch schön anzuschauen. Ein Besuch in Riga ist auf jeden Fall die Zeit wert, deutlich größer als Tallinn, aber vielleicht nicht an einem Montag…
Zurück im Hotel ist die Luftmatratze platt. Also doch nicht alle Löcher gefunden. Also wiederholen wir die Aktion doch einfach. Und ein weiteres Loch finde ich. Hoffentlich war es das jetzt.

Dienstag, 11.08.20, Tag 68

Raus aus Riga geht es auf verschlungenen Wegen, dem TET hinterher. Gar nicht so einfach, teilweise ist es echt klein. So lasse ich das auch schnell wieder hinter mir und suche mir meinen eigenen Weg. So lange bin ich noch nicht unterwegs, also ein paar Verkehrshütchen auf dem Weg stehen. Ein Soldat sitzt in der Sonne und lässt es sich gut gehen. Als ich zum stehen komme steht er auf und erklärt das ich hier nicht weiter darf. Ach ne…
Vor mir ist ein Truppenübungsplatz. Normalerweise kein Problem aber heute sind Übungen mit scharfer Munition geplant, daher ist das ganze Gebiet geschlossen. Er hat eine grobe Karte des Geländes, zurück zur großen Straße und erstmal weg ist der beste Weg.
Zu dem Platz an dem See will ich. Aber den Platz finde ich nicht, also zum nächsten, den meine App mir zeigt. Der Platz liegt etwas ab von einer sehr welligen Schotterstraße, einfach rein in den Wald. Ohne zu wissen wo ich suchen muss hätte ich das nie gefunden. Direkt am Fluss im Wald. Hier ist Ruhe.

Mittwoch, 12.08.20, Tag 69

Heute geht es weiter in Richtung Daugavpils. Da soll es etwas zum anschauen geben. Unterwegs komme ich an dieser alten Kirche vorbei, leider abgeschlossen, scheint aber noch in Nutzung zu sein, auch wenn die Zeit und die Natur deutliche Zeichen hinterlassen haben.
Friedhöfe liegen hier sehr schön mitten im Wald, kleine Kapellen dabei. Schön anzusehen. Aber ansonsten gibt es nicht viel zu sehen…
Die Straßen sind entweder brand neu, gerade dabei neu geteert zu werden oder ein übler Flickenteppich. Und das wechselt ständig, Aufmerksamkeit ist gefordert. Aber kaum Schlaglöcher, da sind die hier viel schneller als bei uns zu Hause mit dem Ausbessern.
Die Schotterstraßen hingegen… Auch keine Schlaglöcher, das ist schon mal gut. Aber wellig sind die. Diese kleinen Wellen, die alles zum wackeln bringen. Zu langsam und man denkt das Navi fliegt aus der Halterung. Zu schnell, und das Gefühl von kurz bevorstehendem Kontrollverlust macht sich breit. Denn, wo keine Wellen sind, ist tiefer Schotter oder tiefer Sand. Eine Herausforderung.
Am Abend wieder ein Platz im Wald, wieder an einem Fluss. Naja, Abend ist es noch nicht als ich hier ankomme, aber heute wird mal ein kurzer Tag und der Sattel wird gegen die Hängematte getauscht.
Abends kommen zwei Kajaks vorbei, ein Vater mit seinen Söhnen und der Führer. 4 Tage unterwegs, heute die letzte Nacht bevor es zurück geht. Schöne Sache.

Donnerstag, 13.08.20, Tag 70

Daugavpils ist jetzt dran, oder Dünaburg wie es im deutschen heißt. Hier gibt es eine russisch orthodoxe Kathedrale und eine Festung aus der napoleonischen Zeit. Na dann los.
Ich habe das Navi auf die Festung eingestellt, und als ich in die Stadt rein komme mache ich mir etwas Sorgen, ob ich die Kathedrale auch finde. Unbegründet. Das riesige Gebäude ist kaum zu übersehen, weiß und gold, und das weiß an einigen Stellen gerade frisch aufgetragen. Der Rest ist wohl auch gerade dran. Die Orthodoxen wissen, wie Sie in mitten von einfachem Leben strahlen können…
Vor der Kathedrale werde ich von einem Typen angequatscht. Ich verstehe kein Wort. Er spricht kein Englisch. Macht Ihm aber wohl nichts aus, er quatscht mich zu. Ich versuche nicht unfreundlich zu sein und so dauert es fast eine Stunde bis ich wieder weg komme. Aber dafür habe ich in der Kathedrale eine Kerze anzünden (müssen) dürfen.
Weiter zur Festung. Durch eine 10 Meter tiefes Tor, fast schon einen Tunnel geht es in die Festungsanlage. Hier drinnen ist eine eigene Stadt in der Stadt. Sauber angelegt steht Gebäude an Gebäude. Ich glaube nicht, das diese Gebäude aus der Zeit um Napoleon sind, die erinnern mich zu sehr an Kasernen aus den 50ern… Teils frisch renoviert, teils in bedarf, aber nicht heruntergekommen. Immerhin. Aber von außen ist die Festung doch beeindruckender als von Innen, vor allem die Luftbilder, die gezeigt werden.
Jetzt dann weiter, ich hab mir einen Platz an der Daugava in meiner App gesucht. Wieder Richtung Westküste, da soll es deutlich mehr zu sehen geben. Am Platz angekommen bin ich beeindruckt. Sehr schön gepflegte Anlage, Spielplatz und eine Bühne. Darf man hier zelten?
Ich werde auf Englisch von einer Frau angesprochen, ob ich über Nacht bleiben will, Sie und Ihr Mann stehen da hinten am Ufer. Sie warten noch auf 4 Motorräder und einen Camper, ich darf gerne dazu kommen.
Gesagt getan, es wird gerade schon gekocht. Der Mann fährt normalerweise auch eine Adventure, die ist aber leider gerade in der Werkstatt, daher sind die beiden mit dem Auto da und haben Küchendienst. Die Suppe ist aber dafür super, im Auto kann halt doch viel mehr Küche mitgenommen werden als auf dem Motorrad. Die gute Nachricht, das das Motorrad wieder OK ist hellt die Stimmung weiter auf.
Nach und Nach trudeln alle ein, hier ist wohl der erste Stopp bzw. der Treffpunkt. Motorrad Klub aus Vilnius, genauer der Lietuvos Enduro Klubas, auf Ausfahrt. Estland und Lettland soll es sein, nach Georgien geht ja dieses Jahr nicht… In einer Mischung aus Sprachen, Deutsch, Englisch, Hände, Füße, mit steigendem Alkoholpegel immer leichter, ist Spaß garantiert. Ich mag es gleichgesinnte zu treffen.
Ich wünsche euch viel Spaß auf eurer Tour, es war toll euch zu treffen!

Freitag, 14.08.20, Tag 71

Der Kaffee ist schon fertig, als ich aus dem Zelt komme. So spät ist es doch gar nicht… Trotzdem lasse ich mir Zeit mit dem Losfahren, und winke den Anderen erstmal hinterher.
Ziel erstmal Kuldiga, hier ist der breiteste Wasserfall Europas. Aber wirklich beeindruckt bin ich nicht, knapp 2 Meter Fallhöhe, gut breit ist er. Und offensichtlich ein Magnet für Menschen. Voll ist es hier, ich fahre langsam über die Brücke mit Blick auf den Wasserfall, und das reicht dann auch. Weiter.
Kurz vor 90.000km auf der Maschine! Jetzt aber genau drauf achten und ein Foto von 00 machen! Wird nix, die Straße macht Spaß und es geht in tollen Kurven durch das Land. Naja, dann halt Foto etwas später. Aber über 90.000km mit der Maschine in gerade mal 5 Jahren. Coole Sache.
Uncool wird es kurz darauf. Ein stechender Schmerz im rechten Unterarm. Irgendwie hat es ein Insekt in den Ärmel geschafft. Anhalten, Kühlen. So schnell wie das anschwillt muss es eine Biene gewesen sein, auf die bin ich allergisch…
Bis zum nächsten Platz ist es nicht mehr weit, also vollgas dahin und erstmal de Arm kühlen.
Es geht so, und ich nutze die Ruhe und das ich Wasser habe um auf die Suche nach Löchern in der Matratze zu gehen. Drei hatte ich ja in Riga schon gefunden, offensichtlich nicht alle… Ein Viertes finde ich.

Samstag, 15.08.20, Tag 72

Der Arm brennt wie Feuer und ist deutlich angeschwollen. So komme ich nicht weit. Auf schnellstem Weg zurück nach Kuldiga zur Apotheke. Irgendwas gegen Insektenstiche kaufen.
Ich setzte das Navi auf einen Campingplatz an der Ostsee, von hier aus kann ich vieles Besuchen. die meiste Zeit geht es über Straßen, aber immer mal wieder auch über welligen Schotter. Als ich am Campingplatz ankomme tut der Arm übelst weh. Schnell eincremen und kühlen.
Der Campingplatz ist recht voll, es ist Wochenende. Alles Kennzeichen aus Litauen. OK…

Sonntag, 16.08.20, Tag 73

Sehr schlecht geschlafen, nicht nur, dass die Matratze immer noch Luft verliert, der Arm tut immer noch weh und brennt. Eincremen. Gibt es eine maximale Menge an Fenestil pro Tag? Aber helfen tut es, zumindest für ein paar Stunden.
Ich bleibe hier, baue mir einen Sonnenschutz auf, auf diesem Campingplatz gibt es nicht das die Sonne aufhält. Lesen und den Arm ruhig halten. Das sollte helfen.
Am Nachmittag wieder Lochsuche bei der Matte. Drei weitere Löcher??? Was ist hier los? Flicken und dann die Matte in der Sonne aufgepumpt liegen lassen, dann trocknet die auch vernünftig. Zwei Durchgänge mit Seifenwasser waren es heute, beim Zweiten war kein Blubbern mehr zu sehen.
Also Zeit zum Blog schreiben. Internet ist schwach, ob das was wird?? Und ob ich Morgen wohl weiter fahre?

2 Gedanken zu „Die kleinen Dinge halten auf. Woche 10 in Lettland“

  1. Hallo Fabian.
    Jetzt lass ich dir hier auch einen Gruss da.
    Ich freue mich immer wenn ein neuer Blog von dir erscheint.
    Hoffe deinem Arm geht es besser? Ich kenne keine Nebenwirkungen von Fenestil, aber mein Vater hat mal den Tipp gegeben, einfach drüber Pinkeln 😉 Wenn nix anderes da ist.
    Pass weiterhin auf dich auf.
    Bis Bald Steffi

  2. Servus Fabian!!
    1) Essig und kühlen helfen immer bei Insektenstichen. Ansonsten brauchst Du wohl ein Antihistamin, nech?! Es gibt auch so Pietzozünder die per Stromschlag das Gift neutralisieren sollen….kannst ja mal an einer Starkstromleitung lecken 😛 . Jedenfalls hoffe ich, dass es deinem Arm besser geht
    2) Bestell dir mal eine Themarest Iso……die sind nicht so anfällig.
    Lass es dir gut gehen und genieße die Reise! Meld dich mal! Grüße aus der Technologie!

    Der Rudi

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