Ein wenig Ruhe. Lettland und Litauen in Woche 11

Ich muss mal die Batterien etwas aufladen, im übertragen und im wörtlichen Sinn. Auch das weitere Vorgehen muss mal etwas geplant werden. Daher eine eher ruhige Woche

Montag, 17.08.20, Tag 74

Heute bleibe ich noch hier. Der Arm ist besser, aber noch nicht gut. Also setze ich mich nur aufs Motorrad um mal kurz zum einkaufen zu fahren. 10km bis zum nächsten Laden über Waschbrettpiste. Der Arm pocht als ich ankomme, aber jetzt habe ich wieder Lebensmittel.
Eine Apotheke gibt es hier nicht, die nächste ist 30km weiter nach Süden. Aber die Strecke ist das lettische Äquivalent zur Autobahn, gut geteert und mit erlaubten 90 auch nicht so langsam. Das mach ich dann auch noch schnell.
Zurück am Zelt tut der Arm dann doch wieder weh, also schnell eincremen, das wirkt super. Und jetzt erstmal im Schatten der Tarp entspannen.
Die Matratze hat schon wieder Luft verloren, also mach ich mich dran mit Seifenwasser Löcher zu suchen. Weitere Drei finde ich. Das kann doch nicht war sein…
Am Abend dann schnell in die Ostsee zum abkühlen und gute Nacht.

Dienstag, 18.08.20, Tag 75

Die Matratze hat die Luft gehalten, super. Hoffentlich bleibt das jetzt auch so.
Der Arm fühlt sich viel besser an, da kann es ja weiter gehen. Moment, ich hab zu viel eingekauft, das bekomme ich nicht alles unter. Dann bleibe ich hier halt noch in der Gegend. Ohne Gepäck mache ich mich auf den Weg die Gegend zu erkunden. Die Waschbrettpiste macht sogar richtig Spaß, wenn das Motorrad nicht so beladen ist und man aufstehen kann. So fliegt es sich gut über die Wellen.
Nach Norden geht es erstmal, Pavilosta soll schön sein zum anschauen. Viel ist aber nicht zu sehen, ein Yachthafen, ein Fischerhafen und ein paar Skulpturen. Schön hergerichtet, aber naja…
Jetzt dann zum Leuchtturm von Akmenraga, das Navi baut mir eine Strecke zusammen, die nicht über die Hauptstraße geht. Schöne Sache, am Anfang. Später wird es dann sehr klein und ausgewaschen, zum Glück hab ich kein Gepäck dabei. Teilweise sehr tiefe Schlaglöcher, höchste Konzentration ist gefragt. Offensichtlich wird der Weg aber genutzt, über die schlimmsten Stellen hat jemand Bretter gelegt. Mein unbekannter Held des Tages!
Dann komme ich ins Naturschutzgebiet rund um den Leuchtturm und die Straßen werden wieder zu den bekannten Pisten. Am Leuchtturm zahle ich einen Euro um hochklettern zu dürfen, ich muss etwas warten da schon Leute oben sind und die Anzahl an Leuten begrenzt ist, Corona?
Ich warte bis die letzten runter sind und habe den Turm für mich. Ein wunderschöner Ausblick von hier oben. Die Ostsee glänzt und der Wald ist schön Grün.
Nächstes Ziel sind die „Northern Forts“, eine alte Befestigungsanlage, die um 1900 aufgegeben wurde. Sprengen ist größtenteils fehlgeschlagen und jetzt holt sich die See die Reste langsam. Ein schöner Lost Place, wenn man so etwas so nennen kann. Den schwierig zu finden war es nicht. Ist ausgeschildert… Man muss sich nur trauen über die Piste mit Schlaglöchern zu fahren.
Zurück am Camp ab ins Meer und den Staub abwaschen.

Mittwoch, 19.08.20, Tag 76

Wie viel man auspackt, wenn man mal länger an einer Stelle ist, ist jedes Mal wieder überraschend. Heute geht es weiter, also einpacken!
Benzin soll ich Litauen billiger sein, also direkt nach Süden zur Grenze. Die ist auch nach kurzer Zeit erreicht, so nah war ich schon? Auch dieser Grenzübergang ist kaum merklich was ich auch verstehe. Auf dem Campingplatz ist mir schon aufgefallen, das fast alle Autos ein Kennzeichen aus Litauen haben. Jetzt kommen mir auch eine Menge an Autos entgegen. Offensichtlich ist Lettland für die Litauer ein wichtiges Urlausland und damit ist das Interesse an offenen Grenzen auch hoch.
Tanke ist dann auch bald dran, ein paar Cent billiger ist es wirklich hier. Aber ich hatte mir weniger gerechnet. Da lag der ADAC doch etwas daneben.
Heute will ich noch auf die Kurische Nehrung, da soll es ja sehr schön sein. Stimmt auch. Aber trotzdem hinterlässt die Insel ein schlechtes Gefühl bei mir. Für die Fähre muss man zahlen, nicht so verwunderlich, und mit 5€ hin und zurück auch OK, wobei die Überfahrt nicht mal 5 Minuten dauert.
Dann gibt es auf der Insel eine legal zu befahrende Straße von Nord nach Süd. Und diese Straße ist die einzige Mautstraße für Autos und Motorräder in Litauen. Umweltschutz ist die Ausrede. Weitere 5€ zu bezahlen.
An einem Parkplatz entlang der Straße halte ich an, ich will mal in die Dünen herausgehen. Ein abgegrenzter Weg erlaubt das, aber der kostet wieder 5€. Nein Danke, mir reicht es.
Unter dem Deckmäntelchen des Naturschutzes werden die Besucher hier ausgenommen. Wenn Naturschutz wirklich in Vordergrund stehen würde, sollten die mal die Ölspuren auf der Straße entfernen, die sind nicht erst seit gestern hier.
Ich verlasse die Nehrung und fahre durch den Stau in Klaipeda, in Inland soll es gehen. Über eine App finde ich einen Platz im Wald, in der Nähe einer sehr staubigen Schotterstraße. So schön ist der Platz nicht, aber es geht ein Waldweg weiter und an dem finde ich eine schöne, geschützte Stelle. Ich setzt mich mal hin und entspanne ein bisschen, da wird es dunkel. Schneller Blick auf den Wetterbericht, heute Nacht soll es regnen. Schnell das Zelt aufbauen und schon fängt es an.

Donnerstag, 20.08.20, Tag 77

Der Regen hat den Staub etwas gebunden, gute Sache.
Die Matratze hat schon wieder Luft verloren, schlechte Sache.
Aber jetzt erstmal weiter, zur Memel und an diesem schönen Fluss entlang in Richtung Kaunas. Zwischenrein sehe ich eine Tankstelle, 1.03€ pro Liter soll es kosten. Ich hab zwar nur den halben Tank leer, aber das muss ich nutzen.
Ich will mal kurz telefonieren, geht aber nicht. Was ist da los? Also heute Abend ein Campingplatz mit Wlan um mal zu sehen was mit meinem Vertrag los ist. Angerufen werden kann ich noch, komische Sache. Dafür hab ich jetzt mal ausprobiert wie ich Nachrichten über mein Garmin schicken kann. Klappt auch 🙂
Ich finde im Navi einen Campingplatz namens BikerCamp, das klingt doch nach dem Richtigen für mich. Ist zwar etwas weiter weg als ich eigentlich fahren will, aber was solls.
Also durch Kaunas mit kurzen Stopp an der Burg und dann in die Richtung vom Campingplatz. Pisten werden zu Feldwegen, Feldwege zu Waldwegen, Klein zu Kleiner. Anstrengend aber auch lustig, Motorrad und Fahrer sind voller Schlamm als der Campingplatz erreicht wird. Ich hoffe die Anfahrt aus Süden ist leichter, sonst kommen hier nur ein paar GS Fahrer an, die Harley und Renner Fraktion schafft die Wege mit Sicherheit nicht.
Am Campingplatz ist nicht los, niemand da. Telefonieren geht ja nicht, also kann ich auch nicht die Nummer anrufen. WLan hat es auch nicht. Ich warte eine halbe Stunde, esse was und schau mir den Platz an. So wirklich toll ist es nicht. Also weiter, der nächste Platz ist nicht so weit weg.
Hier stehe ich von verschlossenem Tor und das wiederholt sich beim dritten Platz des Tages. Hier ist immerhin ein „Geschlossen“ Schild. Sind die Campingplätze in Litauen zu?
Mir reicht es, ich fahre nach Vilnius und miete mich in einem Hotel ein. Das Motorrad darf ich direkt an der Scheibe parken, so ist es immer im Blick der Rezeption.

Freitag, 21.08.20, Tag 78

Beim Frühstück schreibe ich eine Mail an SeaToSummit, das mit der Matratze kann doch nicht wahr sein. Sehr schnell kommt eine Antwort, mir Entschuldigung und Angebot die Matratze auszutauschen. Das nehme ich an und recherchiere mal, wie man in Polen etwas Postlagernd erhalten kann. Die neue Matratze geht noch am Nachmittag raus, guter Service! Jetzt hoffe ich nur noch auf die Post. Und die alte Matratze geht dann zurück, das Problem ist denen bisher unbekannt und die wollen sich das mal anschauen. Meinetwegen.
Ansonsten passiert heute nichts mehr, ich mach mal Pause und bleibe im Hotel.

Samstag, 22.08.20, Tag 79

Jetzt muss ich mir doch mal Vilnius anschauen. Auch eine alte Stadt. Aber im Vergleich zu Riga und Tallinn kommt Vilnius nicht mit. Auch hier jede Menge Kirchen und so aber die anderen baltischen Hauptstädte haben mehr Charakter.
Trotzdem laufe ich Stunden durch die Gegend bis ich mir dann ein Uber zurück zum Hotel nehme.
Jetzt mal ein wenig Fernsehen und überlegen, wie die Reise weiter gehen kann. Die zweite Welle scheint ja in Osteuropa angekommen zu sein, immer mehr Gebiete werden zu Risikogebieten erklärt. Wo kann ich den da durch? Nach Italien und mit der Fähre nach Griechenland? Rumänien und Bulgarien auslassen? Geht den Kroatien noch? Schwere Frage und schlechte Laune.

Sonntag, 23.08.20, Tag 80

Das Frühstück spare ich mir heute. Seit gestern gibt es kein Buffet mehr sondern vorbereitete Teller aus dem Kühlschrank. Selbst das Brot ist sau kalt. Das brauche ich nicht, danke. Bei der Verlängerung von meinem Aufenthalt hab ich eh nicht für das Frühstück bezahlt. Gute Idee…
Ich laufe durch die Gegend, irgendwo hier müsste eine CircelK Tankstelle sein, Garant für guten Kaffee. Tatsächlich finde ich eine und mit Kaffee Latte geht es zurück. An der Tankstelle ist eine Waschstraße, leider nur für Autos, aber mal GoogleMaps befragen. Gegenüber vom Hotel ist auch eine Waschstraße, wieder nur für Autos, aber da hinten bei der anderen Tankstelle, da müsste es Waschboxen geben.
Einen Spaziergang später ist das bestätigt und ich laufe zurück und hole das Motorrad. Immerhin den gröbsten Dreck mal abwaschen, das ist inzwischen auch echt nötig, Kilos sind es wahrscheinlich.
Jetzt sitze ich wieder im Hotel und schreibe dies hier für euch. Wenn ich fertig bin mache ich mich mal an die Planung für Polen, das kommt auf jeden Fall noch dran. Wohin es dann weiter geht weiß ich noch nicht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.