Erste Woche in Schweden

Drei Monate Corona-Pause, also muss es jetzt auch endlich los gehen. Europa mach immer weiter auf, Schweden ist offen. Also los, rund Ostsee ist der Plan.

Fotos am Ende 🙂

Samstag, 6.6, Tag 1

Frühes Aufstehen, die Fähre geht gegen 14:00 ab Rostock nach Trelleborg. Ungefähr 500km sind also zu überbrücken bis Mittag. Dank einer Sperrung auf der A1 führt mich das Navi durch den Elbtunnel und quer durch Hamburg, kostet Zeit aber so schlimm ist es nicht. Um halb zwölf bin ich am Anleger. Kontrolle? Nein, nur einem Automaten bestätigen, das die Daten stimmen. Kein Problem also.
Neben Mir stehen eine Menge LKW am Pier, aber auch private Wohnmobile und Autos warten auf die Überfahrt. Ein paar Motorräder kommen auch noch, eine Gruppe aus Krefeld, so ein Zufall, und eine Gruppe aus der Nähe von Berlin. Die wollen auch auf den TET, mal sehen ob man sich auf der Straße trifft.
Gegen 19:00 Uhr sind wir dann auch in Trelleborg, keine Lust mehr groß zu fahren, also einfach zu der Halbinsel im Westen und nach nicht langem Suchen auch einen Schönen Platz für das Zelt gefunden.

Sonntag, 7.6, Tag 2

Frühes Aufstehen, dieses mal aber nicht freiwillig. Die Vögel und die Sonne wecken mich schon um 4 Uhr! Naja, ein paar mal umdrehen geht trotzdem noch.
Nachdem alles wieder gepackt ist geht es los, erstmal Wasser kaufen und dann den TET suchen. Der ist schnell gefunden und führt über kleine Straßen schön geschwungen durch die Gegend. Irgendwann kommen dann mal nicht befestigte Straßen hinzu und dann auch irgendwann Feldwege. Spaß macht es auf jeden Fall.
Gegen Mittag kommt ein Burger King in Sicht, und davor 6 Motorräder aus der Gegend von Berlin. Also kurz Anhalten, Hallo sagen und was essen. Ungefähr für eine Stunde geht es dann weiter auf dem Trail, währenddessen wird das Wetter immer Dunkler.
Ich verabschiede mich um einen Shelter zu suchen, der auf der Karte markiert ist. Am Vormittag hatte ich schon mal so einen gefunden und der sah toll aus. Dieser jedoch nicht…
Also weiter, zum nächsten Shelter auf der Route. Inzwischen hat mich der Regen eingeholt und wird ziemlich kräftig. Kurz vor dem markierten Shelter hält ich ein Durchfahrt verboten Schild auf, aber eine riesige Grillhütte ist hier. Da es inzwischen Gewittert ist mir der Kindergeburtstag der hier gerade gefeiert wird egal, ich stelle mich unter! Der Gemeinschaft ist es auch egal, die ignorieren mich so wie ich Sie.
Gegen 18:00 Uhr ist die Feier vorbei, alle werden abgeholt und ich mache mir erstmal eine Suppe warm. Dann kommt auch die Sonne raus und trocknet die Wiese, in eine Ecke in der Nähe stelle ich mein Zelt und mache Feierabend.

Montag, 8.6, Tag 3

Dicker Nebel empfängt mich, als ich aus dem Zelt krieche. Alles ist Nass, so kann ich nicht packen. Also erstmal Kaffee kochen und warten. Um 10:00 klart es dann auch auf, und eine halbe Stunde später ist alles trocken eingepackt.
Die Straßen sind noch Nass, das merkt man auch gerade im Wald, plötzlich stehe ich Quer auf dem Trail. Nochmal Glück gehabt.
Heute scheint der Tag der Baustellen zu ein, gerade im Bau befindliche Straßen sind unangenehm zu fahren, aber es geht irgendwie. Bei uns währen die komplett gesperrt, hier würde das aber viele Kilometer Umweg bedeuten.
Das im Wald, auf einem kaum breitere Waldweg als mein Motorrad lang ist, die Brücke gerade neu gemacht wird zwingt dann zu einem schweren Wendemanöver, vor und zurück kippeln geht ganz schön auf die Kraft, geht dann aber auch.
Ansonsten aber eine schöne Mischung aus Schotter und Asphalt.
Wieder suche ich nach einem Shelter, und der angepeilte ist anfahrbar! Schnell in die nächste Stadt, Wasser holen, und dann einziehen. Der Shelter am Fluss Nissan ist wohl für Kanuten gedacht und soll bezahlt werden. Ich hab keine Kronen, also werfe ich Euros in den Briefkasten.
Das Zelt brauche ich heute Nacht nicht, aufhängen zum trocknen geht also super. Zum Glück sammel ich es rechtzeitig ein, es regnet am Abend aber das ist mir egal, mein Shelter ist trocken.

Dienstag, 9.6, Tag 4

Die Straßen sind noch nass vom nächtlichen Regen. Im Wald merke ich das deutlich. Im Matsch rutscht mir das Hinterrad in eine ausgefahrene Rinne und ich kippe um. Mit einiger Kraft kann ich das Vorderrad in die gleiche Rinne ziehen, jetzt ist das Ausrichten viel leichter.
100 Meter weiter der gleiche Mist nur auf die andere Seite… Dieses mal keine Bewegung möglich, ich kann kaum stehen in dem Schlamm, geschweigen denn Kraft aufbringen. Also Gepäck abladen, plötzlich habe ich einen Guten Griff und es geht ganz leicht. Lieber jetzt aber erstmal mit dem Motor schieben, durch die nächste Stelle gleich mit. Aufladen und Raus aus dem Wald.
Wald lasse ich erstmal sein, zumindest so kleine Passagen, ich bin schließlich nicht mit einem 100kg Mopped unterwegs.
Es geht weiter, ab und zu weiche ich vom Trail ab, aber so ziemlich jede kleinere Straße ist schön zu fahren.
Bei einem Stopp will ich Fotos machen und greife nach meinem Handy. Die Tasche ist offen, das Handy nicht da. Sche**** Schnell zurück zum letzten Stopppunkt, aber hier liegt auch nichts. Nochmal Sche***
Heute Nacht bleibe ich in einem Hotel, hier hab ich WLan und kann einiges Sperren, Passwörter neu vergeben usw.
Alles in allem ein sche*** Tag

Mittwoch, 10.6, Tag 5

Erstmal eine Simkarte kaufen, jetzt kann ich wieder telefonieren, ich hab ja noch mein altes Handy als Ersatz dabei. Die neue Simkarte für meine deutsche Nummer ist schon bestellt, wenn die bei meinen Eltern ankommt, schicken diese mir die hinterher.
Das Fahren ist heute nicht sehr abwechslungsreich, Schotter, Asphalt und Feldweg wechseln sich ab, aber kaum was besonderes dabei.
Am Abend baue ich mein Zelt im Wald auf, bei einem Pferdeweg. Hunde scheinen hier aber auch sehr gerne ausgeführt zu werden, die Leute grüßen nett und wünschen eine gute Nacht. Warum kann man bei uns nicht so relaxed mit Wildcampern umgehen

Donnerstag, 11.6, Tag 6

Heute bleibe ich nicht auf dem Trail, ich will nach Bästäs, hier soll ein Autofriedhof zu sehen sein. Es ist eine ganz schöne Anfahrt über das schwedische Äquivalent zu einer Autobahn. Langweilig, aber es geht voran.
Gegen Mittag ist der Autofriedhof dann erreicht, im Walt stehen eine Menge alter Autos und rosten vor sich hin. Aber man ist wohl Stolz auf diesen Friedhof, in der nächsten Stadt, Töcksfors, wird sogar dafür geworben.
Auf kleinen Wegen geht es durch die Wälder weiter nach Norden um den Trail wieder zu finden. Sehr schön einfach mal der Nase nach zu fahren.
Der Trail wird dann auch gefunden und bis zur Grenze nach Norwegen wird gefolgt. Diese ist gesperrt. Mist.
Also weiter, umgehen vom Teil in Norwegen, geht auch irgendwie. Dann taucht auf der Karte plötzlich ein Shelter Symbol auf, gerade rechtzeitig, es wird spät und ich werde müde. Direkt anfahren geht nicht, aber es sind nur 50m zu tragen, also ziehe ich ein. Direkt am See mit Blick aufs norwegische Ufer lass ich den Tag ausklingen.

Freitag, 12.6, Tag 7

Erneut fahre ich an eine Grenze, auch hier ist alles gesperrt. Natürlich könnte ich rüber, aber dann bin ich in einem Land, dass erst in über einem Monat entscheiden will, ob Deutsche wieder rein dürfen. Also lasse ich es.
Die Frage ist aber klar, wie soll es weiter gehen?
Recherchen ergeben, Finnland will die Grenzen wieder öffnen, aber nicht nach Schweden. Also sitzt ich hier in einer riesigen Sackgasse.
Polen soll morgen wieder aufmachen, also evtl. umdrehen und die Runde andersherum fahren?
Erstmal ein wenig weiter, ich will an die Ostsee. Und dann weiter nach Norden, an die finnische Grenze. Umdrehen kann ich hier immer noch wenn es nicht weiter geht.

Dann das Desaster…
Ich fahre auf einer Schotterpiste, nichts besonderes, als plötzlich von hinten ein POPP kommt. Vorsichtig halte ich an, es ist doch nicht der Reifen von der Felge gesprungen? Da war doch nichts.
Der Reifen ist noch drauf, Druck ist auch noch drin. Vorne auch. Und die Speichen klingeln auch alle normal. Nun gut, also weiter.
Das Handling wird beschissen, irgendwas ist auf jeden Fall im Argen. Ich halte wieder an, es riecht verbrannt. Der Deckel des Ausgleichsbehälters meines Wilbers Federbeins ist weg. Das Öl ist auf den Auspuff und den Koffer gelaufen, der Dämpfer ist ohne Funktion.
Anruf bei Wilbers sehr freundlich und bemüht Hilfe zu leisten, aber es ist Freitag Nachmittag, es ist kaum einer noch da, neue Teile können erst ab Montag gefertigt werden und dann zu mir geschickt werden.
Ich rufe bei Faßbender an, es ist ein gebrauchtes Federbein für eine Adventure da, wenn ich will kann ich es sofort geschickt bekommen. Dann hätte ich zumindest etwas um weiter zu kommen, auch wenn es nicht so ausgelegt ist wie das Wilbers. Währenddessen kann meines dann nach Deutschland für Reparatur und Check, bis es dann wieder zu mir kommt.
Warum das geschehen ist kann ich immer noch nicht verstehen. Es war nichts an der Stelle und überlast kann auch nicht sein, das ist alles auf diese Belastung ausgelegt und Wilbers hat da sicherlich auch eine Sicherheit eingebaut…
Ich schleiche zum Campingplatz in der Nähe und schlafe erstmal darüber.

Samstag, 13.6, Tag 8

Der ADAC ist nicht hilfreich, Transport zu einer Werkstatt am Montag könnte gehen, nach Deutschland dauert im besten Fall Wochen, sche*** Corona.
Also rufe ich wieder Faßbender an, schick die Teile los.
Gleiches gilt für meine Eltern, die neue Sim ist also auch hierher unterwegs.
Hier habe ich zumindest eine Adresse und WLan, und dieser Campingplatz ist gut gepflegt und auch nicht übermäßig voll.

Also warten auf die Post und dann umbau. Ich hab schon mal in der Gegend nach Werkstätten gesucht, damit ich den Umbau nicht auf dem Campingplatz machen muss. Wenn die am Montag wieder öffnen, frag ich mal ob ich eine Ecke verwenden darf.

— to be continued — (hoffe ich)

2 Gedanken zu „Erste Woche in Schweden“

  1. Hallo Fabian,

    das Tagebuch ist sehr informativ und angenehm zu lesen. Die Fotos sind toll. Das blöde Federbein hätte wirklich nicht sein müssen, aber Hauptsache du bist endlich unterwegs!
    Wird schon wieder.
    Ich freue mich schon auf die Weiterfahrt!
    Gute Fahrt!
    Valentin

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