Estland und Lettland in Woche 9

Schon wieder ist eine Woche rum, die Neunte diesmal. Zwei Monate unterwegs und es läuft.

Sonntag, 02.08.20, Tag 59

Zeit Tallinn zu verlassen, das Hostel und die Leute waren echt nett, aber die Straße ruft. Erstmal geht es auf den TET, die ersten 50km von Tallinn weg, dann aber doch wieder runter und zum nördlichsten Punkt von Estland. Hier ist richtig was los, eine Menge Zelte und Camper stehen hier. Die Esten sind gerne in der Natur. Das hab ich schon mehrfach gesehen, immer wieder sieht man Leute im Wald mit Eimern bei der Pilz suche. Vom Parkplatz geht eine kleine Landzunge noch in die See hinaus, aber die spare ich mir.
Zurück zum TET, der wird jetzt wirklich klein, Waldweg passt wohl noch am besten als Beschreibung, recht matschig ist es auch, der Regen der letzten Tage ist noch nicht verdunstet. Ich mach irgendwo im Wald eine Pause und koche mir was zum Essen, ein paar Autos kommen vorbei, es wird gegrüsst, stören tut es keinen.
Dann weiter und zum ersten RMK Platz. Das sind offizielle Campplätze, Grillstellen und Toiletten werden gestellt, aber es ist kostenlos. Da das Wetter noch recht kühl ist mache ich erstmal ein Feuer, Feuerholz wird gestellt, und der Tag ist um.

Montag, 03.08.20, Tag 60

Es regnet und alles ist klamm, ich lasse mir erstmal Zeit, Kaffee kochen und abwarten. Gegen 10 Uhr wird es weniger und ich packe meine Sachen ein. Die Wettervorhersage ist mies, mehr Regen heute und morgen den ganzen Tag. Also schnell einkaufen in der nächsten Stadt. Der Laden in den ich gehe ist klein, kaum frische Lebensmittel, die Regale sind fast leer. Naja, etwas habe ich ja noch und Wasser bekomme ich. Als ich aus der Stadt fahre ist am Weg ein riesiger Coop, ich hab aber keine Lust wieder zu halten.
Nach nur ein paar Kilometern bin ich am nächsten RMK Platz, ich baue mein Zelt und meine Tarp am See auf mach es mir gemütlich.

Dienstag, 04.08.20, Tag 61

Die Wettervorhersage hatte recht, es regnet. Ich stehe hier gut und beschließe den Tag einfach hier zu bleiben.

Mittwoch, 05.08.20, Tag 62

Der Regen ist vorbei und die Wettervorhersage ist für die nächsten Tage super, also einpacken und weiter. Erstmal geht es nach Rakvere, hier ist eine alte Burg des Deutschen Orden, schön in Schuss gehalten und schön gelegen. Ich halte an und kletter die Treppe zur Burg hoch. Oben sehe ich, hier gibt es auch einen Parkplatz, zu spät… Der Eintritt soll 14€ kosten, da begnüge ich mich doch mit einem Gang um die Burg. Und die Kanone die um 12 Uhr Mittag schließt höre ich auch so.
Das nächste Ziel ist ein Nonnenkloster an der Grenze zu Russland. Typisch russisch Orthodox ist das Kloster prunkvoll gestaltet, die weiße Kirche fällt zwischen den ärmlichen Häusern des Dorfes sehr ins Auge. Besuche zur Zeit wegen Corona aber nicht möglich.
Jetzt geht es am Peipussee weiter, aber nicht mehr lange. Ich finde wieder einen RMK Platz, etwas größer als mir lieb ist aber noch leer, am Ufer und gehe erstmal schwimmen.
Seit einigen Tage verliert meine Matte Luft, ich nehme sie mit in den See und suche nach Loch. Finde aber leider nichts. Komisch.
Abends wird es dann doch voller und leider auch laut.

Donnerstag, 06.08.20, Tag 63

Vor zwei Monaten bin ich losgefahren, ungefähr 55 Tage auf der Straße und 13.000 km sind es bisher. Nicht schlecht.
Auf langweiligen großen Straßen geht es nach Tartu, der zweit größten Stadt Estlands. Viele Baustellen im Stadtgebiet nerven, trotzdem halte ich an einem Supermarkt und kaufe mir was Frisches. Damit geht es zurück zum Fluss durch Tartu, gemütlich Mittagessen. Ich rieche Holzfeuer als ich es mir gerade gemütlich machen will, um die Ecke wird an der Straße in 5-6 Öfen Schwein geräuchert. Ich kaufen ein Stückchen und mit den Möhren und Tomaten ist das ein klasse Mittagessen.
Jetzt wird es wieder Zeit für Ruhe, also für die nächste Nacht einen Platz in einem Naturschutzgebiet ausgesucht. Hier gibt es auch Feuerholz, aber recht feucht und in ziemlich großen Stämmen. Mit meinem kleinen Beil ist es eine Plackerei nutzbare Scheite daraus zu machen. Und wegen der Feuchte im Holz will es auch nicht so wirklich leicht es anzubekommen, als das Feuer brennt steht der Benzinkanister schon bereit, ungenutzt.

Freitag, 07.08.20, Tag 64

Ziel für heute ist die Saaremaa Insel, die größere der beiden Inseln an der Westküste von Estland. Zur Fähre ist die Strecke langweilig…
An der Fähre stelle ich mich brav in der Schlange an, auf 5 Spuren werden die Autos abgefertigt. Eins nach dem anderen darf durch, die Fähre geht in 20 Minuten. Super Timing, oder? Nein, die Schranken bleiben alle zu, als nur noch ein Auto vor mir ist. Es ist Freitag und halb Estland will wohl auf die Insel. Also mal das Butterbrot auspacken, das kann dauern. Oder auch nicht, nicht mal abgebissen, da geht es schon weiter. Also Zahlen und auf meiner eigenen Spur bis ganz nach vorne fahren. Motorrad hat halt Vorteile.
25 Minuten dauert die Überfahrt, eine brandneue Fähre bringt einen rüber.
Für die Nacht habe ich mir einen Platz mit Shelter ausgesucht, das währe mal wieder was. Kurz vor meinem angestrebten Platz komme ich an einem Campplatz vorbei, einige Zelte stehen hier schon und ein Fernreisemobil, natürlich auch Deutschland. Kurzes Schwätzchen und dann quer durch den Wald zum Shelter. Der ist schon besetzt und eine Menge Zelte stehen drum herum. Also zurück und neben dem Fernreisemobil das Zelt aufgebaut.
Am Abend brennt wieder einer Feuer und Erfahrungen über Reisen werden ausgetauscht. Die Erzählungen von der Mongolei und dem Iran machen Lust auf einen Besuch, vielleicht kappt es dann ja nächstes Jahr.

Samstag, 08.08.20, Tag 65

Den Plan, direkt nach Riga zu fahren lasse ich sein und fahre lieber noch um die Insel, schöne kleine Straßen machen Spaß, es ist sogar ein wenig kurvig.
Anzuschauen gibt es auf der Insel wohl drei Sachen, Klippen, Windmühlen und einen Meteroritenkrater. Die Klippen finde ich zufällig, ich fahre einen lustig klingendem Schild nach. Ich wander mit vielen Anderen ein wenig entlang, langsam wird es aber warm und schnell geht es weiter.
Bei den Windmühle genügt mir wieder der Blick von außen, auch wenn es schön aussieht. Aber in der Sonne mit Motorrad Kombi ist es echt heiß. Der Krater ist auf den Fotos nur eine Pfütze, also direkt sein lassen und zurück zur Fähre.
Jetzt dann Richtung Riga, erstmal auf kleinen Straßen, der letzte Platz vor der Grenze ist mein Ziel. An einer Tankstelle halte ich an, die gelbe Lampe leuchtet noch nicht, aber lange kann es nicht mehr dauern. Außerdem soll der Sprit in Estland billiger als in Lettland sein. Auch hier ist es voll, was ist los?
Der Platz ist dann erst gegen 20 Uhr gefunden und ist riesig und voll. Normalerweise würde ich umdrehen, aber keine Lust mehr. Ich finde noch einen Platz in der nähe einer Großfamilie, hoffentlich dadurch weniger betrunkene. Stimmt, aber irgendein Kind schreit ständig…
Aber der Sonnenuntergang ist sehenswert.

Sonntag, 09.08.20, Tag 66

Weg hier!
Ich fahre auf den kleinen Straßen in Küstennähe weiter, nach 10 Minuten sehe ich eine Mauer auf die eine große Litauische Flagge gemalt ist über der Latvia steht. War das grade die Grenze? An der nächsten Tankstelle ran, Kaffee besorgen und ja, ich bin in Lettland.
Diesel ist tatsächlich teurer, Benzin aber deutlich billiger. Aber der Tank ist voll.
Jetzt erstmal nach Sigulda, hier gibt es eine alte Burg der Tempelritter. In einer schönen Anlage steht das neue Sigulda Castle, dahinter dann die Ruine der alte Burg. Die neue Burg ist geschlossen, hier wird wohl gerade renoviert, die alte Burg ist aber offen und ich bezahle die horrende Eintrittsgebühr von 2€. Hier gibt es immerhin etwas Schatten und im Turm ist es angenehm kühl.
Von hier dann direkt nach Riga, ich habe mir im Hotel TwoWheels ein Zimmer für zwei Nächte gebucht. Das Motorrad steht wieder hinter einem Tor, so mag ich es.
In der Dusche wasche ich die Luftmatratze mit Seifenlauge ab und tatsächlich finde ich zwei Löcher. Ich hoffe das war alles, aber das weiß ich dann morgen.
Nach einem späten Mittag bzw. frühen Abendessen setzte ich mich hin und schreibe diese Zeilen.

Ein Gedanke zu „Estland und Lettland in Woche 9“

  1. Hallo Fabian, Du Weltenbummler,
    starke Bilder aus dem Balticum,
    ich war Anfang Juli dort , 6700 km, die Strassen sind echt breit und menschenleer, mehr Füchse und Hirsche,
    gottseidank hatte ich keine Kontakte mit Elchen und Wölfen!
    nach Riga war ich dann runter nach Palanga gefahren, ein munteres Städtchen mit vielen Kneipen, am nächsten Tag war ich dann auf der Kuhrischen Nehrung, wieder in Polen habe ich mir die Wolfsschanze angesehen….
    ich hoffe Du machst weiter einen prima Trip, alles Gute ( und keine Löcher, weder in der Matraze, noch im Reifen),
    Gruss Michael

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