Woche 7, Norwegen und Finnland

Da ist es mal wieder Sonntag und damit die siebte Woche schon um. Russische Grenze, zwei östlichste Punkte und eine Feier mit Finnen. War schon was dabei diese Woche 🙂

Montag, 20.07.20, Tag 46

Weg geht es aus Kirkenes, leider. Das Hotel war schon klasse, aber das Budget erlaubt solchen Luxus nicht. Immerhin regnet es nur noch leicht, das ist eine enorme Verbesserung.
Von Kirkenes aus ist es nur ein Katzensprung zur Russischen Grenze, einige Schilder sind auch schon norwegisch / russisch beschriftet, Murmansk ist ausgezeichnet. Wenig Hoffnung habe ich auf einen Grenzübertritt, aber versuchen muss man es ja mal. Und wie erwartet ist die Grenze geschossen, überhaupt kein Verkehr, nicht mal LKWs da.
Dann halt nicht, es gibt auch schöne Plätze in Norwegen. Ausgeschildert ist Grense Jakobselv, ein Ort, naja Örtchen, an der russischen Grenze. Vorbei geht es am östlichsten Punkt von Norwegen, zwei Soldaten sitzen da um Leute davon abzuhalten über den Fluss nach Russland zu waten. Nur kurz gegrüßt und dann vorbei, über den Fluss sind Wachtürme der Grenzer auf russischer Seite zu sehen.
Die Straße führt, vorbei an der König Oskar II Kapelle zu einem Nationalpark. Die Kapelle wurde errichtet, um Spannungen zwischen Russen und Norwegern abzubauen. Wenns hilft…
Auf dem Rückweg halte ich doch noch bei den beiden Soldaten an und quatsche ein bisschen. Die beiden leiten hier Ihren Wehrdienst ab, außer dem Mücken im Sommer und der Kälte im Winter wohl eine recht gute Stationierung.
Es gibt einen neuen Plan für die Tour, mit der Welt wird es wohl nicht ganz so viel dieses Jahr, also wird jetzt Europa umrundet. Ich will die Extrempunkte besuchen. Also zum nördlichsten Punkt der EU, der ist in der Nähe in Finnland.
Kurz danach finde ich einen schönen Platz zum zelten und der Tag ist rum.

Dienstag, 21.07.20, Tag 47

Das nächste Ziel ist der östlichste Punkt der EU, auch der ist in Finnland, wenn man die Inseln nicht dazu zählt. Wenn man die Inseln zählt, dann liegt der Punkt auf Zypern, damit ist die Richtung von hier wohl klar, oder?
Also erstmal nach Süden, immer der E75 nach. Nicht einschlafen ist das schwierigste auf dieser Route. Lange wird der Tag daher auch nicht, im Wald findet sich ein schöner Platz, kurz vorm regen ist die Tarp aufgespannt und schau regen fernsehen, also dem Wasser auf der Tarp zu beim sammeln und wegfließen. Echt spannend!

Mittwoch, 22.07.20, Tag 48

Heute steht wieder die E75 auf dem Plan, bis nach Rovaniemi soll es heute gehen. Der Regen ist schon wieder dabei zu fallen, am Straßenrand wird Kaffee angekündigt. Die erste Pause nach 20 Minuten ist sicherlich auch ein Rekord, aber es lohnt sich. Der Kaffee ist gut und in der Hütte nebenan brennt ein munteres Feuer. Da soll ich mich hinsetzten. Mach ich doch gerne 🙂
Beim Tanken kurz darauf treffe ich einen Finnen, unterwegs zum Norkapp, wir kommen ins quatschen und er sagt mir, wo ich in Rovaniemi Ölfilter bekommen kann. Super Oulu ist damit von der Liste gestrichen und ich kann wieder etwas freier fahren.
Bis Rovaniemi regnet es durch, mal mehr mal weniger, es nervt. Ich suche mir ein Hostel in der Stadt und habe Glück, kaum Gäste da und ich habe ein 8-Betten Zimmer für mich alleine.

Donnerstag, 23.07.20, Tag 49

Der Regen lässt mich nicht los, auch wenn ich nach Osten abbiege. Richtung Kuusamo geht es heute. Die Straße ist etwas kleiner, aber auch nicht wirklich spannend. Ein kurzer Ausflug nach Ruka kommt dazu, aber auch auf diesem „Berg“ ist es grau, ich mache ein paar Fotos, dann haut der Regen wieder rein und ich fahre schnell weiter.
An einer Tankstelle treffe ich zwei Deutsche aus Innsbruck 🙂 Die beiden sind unterwegs nach Norden, Nordkapp soll es werden, drei Wochen müssen reichen. Ich empfehle Gamvik, ob sie es machen weiß ich nicht.
An gleicher Tankstelle kommt auch noch ein Finne an, er kennt mich von Instagram. Na kuck mal einer schau. Beste Grüße an OH8GWW! Schönen Urlaub!
Der Regen bleibt erhalten, ich suche mir eine Bleibe. Finden tue ich ein Gästehaus auf einem Bauernhof, total überraschte Besitzer heißen mich willkommen, mit Gästen hatte wohl keiner gerechnet. Aber die Waschmaschine funktioniert und meine Wäsche ist schnell gewaschen. Aber wie bekomme ich die jetzt trocken?

Freitag, 24.07.20, Tag 50

Die nasse Wäsche schnell eingepackt, ist zwar nett hier aber der Wetterbericht sieht besser aus also weiter.
Es geht zu den „Silent People“ eine Sammlung von über 1.000 bunt angezogenen Vogelscheuchen ein paar Kilometer nördlich von Suomussalmi. Warum hat der Künstler das gemacht? Niemand weiß es, aber es ist lustig. Und es gibt Pfannkuchen und Kaffee vom Holzfeuer. Ein guter Punkt um mal zu stoppen.
In Suomussalmi geht es nach Osten in Richtung Raate. Die Gegend war Schauplatz des Winterkriegs zwischen Finnland und der Soviet Union 39-40. Entlang der Straße wird mit mehreren Skulpturen und einem Museum daran erinnert. Das Museum besuche ich nicht, es ist mir einfach zu voll hier.
Dann finde ich den TET wieder, ein paar Kilometer folge ich bis auf der Seite ein klasse Platz für das Zelt auftaucht.
Mit Tarp wird wieder alles aufgebaut und die Wäsche aufgehängt. Die Tarp war nötig und die Wäsche schnell wieder eingepackt.

Samstag, 25.07.20, Tag 51

Am Morgen fliegt ein Motorrad vorbei, ich Grüße und kann mir eine Vollbremsung auf Schotter anhören. Ein TET Fahrer. Leider unterwegs in die falsche Richtung, aber lange will ich heute auch nicht auf dem TET bleiben.
Östlichster Punkt der EU ist heute erreichbar, also ab dahin.
Die Straßen werden immer kleiner, aber gut zu fahren, bis ich nicht mehr einer Meinung mit dem Navi bin. Ich sollte lernen mehr auf meine Intuition zu hören, das Navi schickt mich dicht an den Grenzbereich mit Russland, Warnschilder kündigen es an. Und die Straße wird zu einem Feldweg, der immer mehr zu wächst. Ich muss drehen, rechts Wald, Links Sperrgebiet. Kein Platz um Auszuholen, es wird ein Kraftakt auf engstem Raum.
Also zurück zu der Stelle an der ich unsicher war und diesmal den Weg nehmen von dem ich der Meinung bin das er richtig ist. Das Navi will mich umdrehen lassen, ich ignoriere es.
Und der Punkt ist gefunden. Ein großer fast leerer Parkplatz mit einer Trockentoilette und ein abgesteckter Weg zum Fluss. Den laufe ich lieber, ich muss mir keinen Ärger mit der Grenzpolizei einhandeln.
Nach dem obligatorischen Foto schau ich mir den Parkplatz genauer an, gibt es hier eine Möglichkeit zum Campen? Es wird immer voller und ich entscheide mich zum weiterfahren.
Während ich die Motorradklamotten wieder anziehe höre ich eindeutig Motorrad Motoren. Und da taucht auch schon ein Motorrad auf, gefolgt von noch einem und noch einem. Zwölf werden es. Der MC Executors rollt an.
Von hier aus soll es nach Koti gehen, dort haben die ihr Tourlager aufgeschlagen. Koti, bzw. den Blick vom Berg über den See muss ich mir anschauen, ich soll einfach hinterher fahren. Gesagt getan, zum Glück müssen die Executors auch tanken. Bis nach Koti sind es noch ein paar Kilometer, aber die Stimmung ist gut.
In Koti wird mir angeboten, im Sommerhaus von einem der Mitglieder zu übernachten, dort wollen alle hin nachdem die Motorräder versorgt sind. Die Sauna! Das Angebot nehme ich natürlich gerne an, die Leute sind eine lustige Truppe. In der Garage des kleinen Sommerhäuschens findet sich noch ein Platz für meine Maschine, 5-6 weitere hätten wohl auch noch gepasst 😉
Zeit für ein Lederbier und meine erste, echte finnische Sauna. Es folgen ein paar weitere Biere, eine klasse Abendessen und weiteres Bier um Pub. Englisch funktioniert, je später der Abend desto besser. Motorrad fahren verbindet die Welt!
MC Executors, Ihr seid echt klasse Leute und es hat mich gefreut euch zu treffen und mit euch feiern zu dürfen! Und Grüße an den Fisherman 😉

Sonntag, 26.07.20, Tag 52

Frühstück gibt es noch mit den Executors, dann trennen sich die Wege aller, Heimfahrt oder Weiterfahrt machen alle einzeln. Das Wochenende ist leider um.
Für mich geht es erstmal auf dem Berg, die Aussicht genießen. Wird leider nicht viel draus, das Wetter ist nicht optimal. Ich fahre hoch zum Hotel, schaffe es kaum ein Foto zu machen, da werde ich schon weggescheucht. Hier darf ich nicht hoch fahren… Zum hochklettern ist es mir zu nass, ich komme bestimmt wieder und dann ist gutes Wetter.
Zurück zum TET, ein paar Kilometer schottern, der Regen der letzten Tage hat einiges aufgeweicht, es wird zum Tanz mit dem Hinterrad. Macht auch Spaß, aber effektiv vorwärts geht anders.
Ich halte an einer Tanke, ich will ja euch hier noch was liefern, WLan gibt es aber nicht. Dafür ist das Wetter inzwischen sonnig und warm, auch was wert. Ein wenig fahre ich noch, dann fange ich an nach einem Platz für die Nacht zu suchen. So richtig läuft es nicht, meine Apps zeigen mir auch nichts brauchbares an. Aber ein günstiger Campingplatz ist nicht so weit weg. Da gibt es bestimmt auch WLan.
Stimmt, den Beweis seht Ihr hier 🙂

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